Freundlich begrüßen sich die Teilnehmer im Projekt Bauernmalerei. Freundlich und herzlich denn man kennt sich schon seit zwei und auch drei Jahren. Nicht nur das gemeinsame Hobby verbindet, hier stimmt auch die Chemie. So ist im Laufe der Zeit eine echte Freundschaft entstanden.
Der Abend beginnt mit Austausch von Neuigkeiten. Im Erzählen ist unser Projektleiter Willi Christ aus Bettendorf ein Künstler. Gern lauschen wir seinen Erzählungen, ganz besonders die aus Kindheitstagen. Künstler des Pinsels könnte man ihn auch nennen. Nicht nur in der Bauernmalerei ist sein Können zu Bestaunen, auch in der Ölmalerei ist er ein Meister.
Erhard wühlt in den Malvorlagen, eine Fundgrube die Willi vor kurzem von einer -jetzt verstorbenen Hobby-Bauernmalerin- vererbt bekommen hat.
Horst malt auf dickem Karton Blumen aus einem eigenen Buch.
Ingrid malt weiter an ihrem zweiten Kleiderbügel den sie in der letzten Stunde angefangen hatte.
Erhard hat sich nun, nach Beratung mit seinem Nachbarn unter Einbeziehung der Meinung von Willi Christ für zwei Vorlagen entschieden und übt nun auf einem Kartonuntergrund die Schnörkel und Windungen der Rokalie.
Renate ist im ersten Jahr in der Gruppe und übt Pinselstriche, Blüten und Blätter in einem Strich auf die Übungsvorlage zu bringen. Nicht ganz einfach auf dem Karton, denn dieser lässt die Farbe immer abreißen. So entstehen keine durchgehende Pinselstriche. Wir trösten Renate und vertrauen ihr an, dass auf dem grundierten Werkstücken Holz, das Ziehen der Blütenblätter in einem Zuge dann leichter vonstatten geht.
Ich habe eben noch mal eine Korrektur einer Tulpe meiner letzten Arbeit vorgenommen. Die gelbe Farbe gefiel mir nicht so ganz und daher habe ich sie gelb gegen orange ausgebessert. Nun hole ich mir ein neues Übungsbrettchen ca.30 x 20 x 0,3 cm aus Pappelholz, die in jedem Baumarkt zu kaufen sind. Ein großer Pinsel (Quast) dient mir zum Vorgrundieren des Rohholzes. Blaugrün ist mein Lieblingsuntergrund. Nach dem Auftragen der Acrylfarbe lege ich das Werkstück auf den schwach warmen Heizkörper zum Trocknen.
Meine nächste Aufgabe, Motivsuche aus dem Vorratsschatz der Vorlagen.
Horst hat nun schon einige Blumen, genauer „Diestelblüten“ auf sein Übungsstück gemalt. Keine Kopie eins zu eins aus dem Buch, nein, unverkennbar seine eigen Note, seine eigene Handschrift aber gut, sehr gut sogar. Ausdruck Form und Schattierung stehen der Vorlage im Buche nichts nach.
Ingrid bereitet nun das Patinieren ihrer Kleiderbügel vor. In einer kleinen Schale mischt sie Patina und Öl um dieses mittels Pinsel auf die Kleiderbügel aufzutragen. Patina macht aus den jungfräulichen Werk (eine Schicht dunkler) den Eindruck von „alt“.
Erhard hat mittlerweile seine Vorlagen mittels Unterlegung von Pauspapier seine Vorlagen auf den Boden seines Tabletts durchgepaust. Nach kurzer „Fachsimpelei“ mit seinem Projektleiter fängt er an die einzelnen „Flächen“ auszumalen. Zwei Techniken bieten sich hierfür an: die nass in nass Technik, oder Farbe ausmalen, antrocknen lassen und später Lichter und Schatten einbringen. Erhard entscheidet sich für letzteres, denn dies ist etwas einfacher als das nass in nass.
Ich entscheide mich heute Abend für ein Rosenmotiv denn ich hege den Ehrgeiz, die klassische Variante der Rose als studiert und bestanden zu wissen. Nach dem Aufpausen der Vorlage mache ich eine kleine Pause und schaue mal wie es um die Fortschritte von Renates Übungen mit Blüten und Blättern steht. Ja fabelhaft! aneinandergereiht wie Soldaten, Blüten und Blätter die in den voranschreitenden Übungen doch sichtbar besser gelungen sind.
Ingrid ist nun eifrig dabei die Patina mittels einem Tuch wieder herunterzuwischen. Die dunkle Patina weicht von dannen, die Farben kommen wieder heller zum Vorschein. Der „alt“- Effekt ist unübersehbar vorhanden. Nun neben dem Heizkörper zum trocknen.
Ich bin mitten dabei Blätter im zwei-Farben-System auszumalen. ( im Pinsel zB. helles grün links und dunkles grün rechts aufnehmen) da entnehme ich den Äußerungen meiner Kollegen dass wir schon kurz nach neun haben. Hoppla, um 9:00 Uhr ist eigentlich Schluss und so wasche ich widerwillig meine Pinsel aus und packe meine Utensilien ein. Schade war gerade so richtig mitten drin. Und wie schnell sind wieder mal die Zwei Stunden vergangen.
Beim Einräumen wird noch gescherzt und geflachst. Alle sind gut drauf, bekunden den nächsten Termin und dann geht es zu unseren Fahrzeugen. Auf dem Parkplatz schließen wir den schönen Abend mit einer kleinen Plauderei ab. Gut gelaunt geht es nach Hause. Manches kommt bildlich wieder vor Augen – auch die Freude, das Wiedersehen auf den nächsten kommenden Abend BAUERNMALEREI – Freude am Gestalten.
Bericht: Werner Blereau, Beauftragter der Initiative 55plusminus -Gemeinsam aktiv werden-, 56340 Dachsenhausen.