Anfragen an gute Bildung und Erziehung heute
Der weite Weg vom autoritären zum autoritativen Erziehungsstil, vom Rohrstock bis zum Miteinander
Politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen prägten schon immer maßgebend den Schulalltag. Das hat Ellen Stein aus Ruppertshofen, Grundschullehrerin und Heimatforscherin, im historischen Klassenzimmer der Mühlbachschule in Miehlen anschaulich und drastisch vor Augen geführt. Sie hat die Besucher der Initiative 55 plus-minus im Alter von 45 bis über 80 Jahren als "ihre Schüler" eine Unterrichtsstunde erleben lassen, wie sie vor rund 100 Jahren üblich war.
Kompromissloser Gehorsam, wem nützt der?
Das Klima des Unterrichts war damals vom Respekt und kompromisslosem Gehorsam der Schüler gegenüber der Lehrkraft bestimmt. Die schwarze Robe der Lehrer unterstrich die Autorität des Lehrpersonals. Der Rohrstock gehörte selbstverständlich zum pädagogischen Repertoire und machte zu oft körperlich spürbar, welches Verhalten von den Kindern gefordert war. Die Macht und der Einflussbereich der Schule reichte damals bis in den außerschulischen Bereich und unterstütze die Position der lokalen Autoritäten, des Bürgermeisters und des Ortspfarrers. Diese Personen informierten nicht nur den Lehrer über die "Verfehlungen" der Kinder im Ort, sie kamen auch regelmäßig zur Schulinspektion in den Unterricht.
Der Lehrer war darauf bedacht, dass sich seine Schüler ohne Widerrede allen Anweisungen unterordneten . Jede individuelle oder durch persönliche Umstände bedingte Abweichung vom geforderten Verhalten wurde durch körperliche Strafen, häusliche Strafarbeiten und vor allen Dingen durch aus heutiger Sicht unerträgliche Demütigungen und Bloßstellungen einzelner Kinder geahndet.
Das im Chor sprechen, das Einüben formalisierter Schreib- und Rechenverfahren sowie Verhaltensweisen und Umgangsformen bestimmten die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler. Wen wundert es heute, dass die Kinder damals durch solche autoritäre Erziehung als junge Erwachsene sich mit Begeisterung in Kriege führen ließen?
Das Wissen über den Unterrichtsstil und das Rollenverständnis der Lehrer zu Kaisers Zeiten hat sich Ellen Stein durch ihr Forschen in historischer pädagogischer Literatur und Schulakten angeeignet. Erschreckend und typisch für die damalige Zeit war beispielsweise, dass die Lehrer zwar akribisch alle Verfehlungen und Strafmaßnahmen jedes Schülers im Klassenbuch vermerkten, aber keine Eintragungen über das Lernpensum zu finden waren.
Die Schule- und Erziehungskonzepte haben sich weiterentwickelt!
Die Besucher machten bei ihrem Erzählen über die eigene Schulzeit vor rund 60 Jahren deutlich, dass mancher ihrer Lehrer noch von dem Selbstverständnis dieser Zeiten geprägt war. Doch die pädagogische Entwicklung und Einsicht ist vorangeschritten. Das konnten Ellen Stein und Claire Metzmacher, Bildungsreferentin der evangelischen Kirche Rhein-Lahn im zweiten Teil der Veranstaltung deutlich machen. Die Arbeitschulbewegung der 20-iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts entwickelte das handlungsorientierte, entdeckende, forschende Lernen an Sachverhalten, ohne Drill und ohne permanente Lenkung durch die Lehrkraft. Die Auswüchse der antiautoritären Erziehung, die vor rund vierzig Jahren propagiert und in mancher Familie und in Schulen praktiziert wurde, wollte ohne vorgegebene Reglungen und "Bevormundung" durch Autoritätspersonen auskommen. Dieser Erziehungsstil wird heute aus gutem Grund kritisiert und ist als extreme Gegenbewegung zur Schul- und Erziehungssituation vor 100 Jahren zu bewerten.
Mut machen zum autoritativen Erziehungsstil!
Gutes erzieherisches Handeln der Eltern und Lehrer ist aus heutiger Sicht "autoritativ", so Claire Metzmacher. Es geht darum, Kinder zu fördern und zu fordern! Fördern meint, die individuellen Fähigkeiten jedes Kindes - Interessen und Talente - und die Bedürfnisse - Geborgenheit, Lob und Ermutigung - altersgemäß zu unterstützen. Fordern meint, die Leistungsbereitschaft jedes Kindes an altersgemäßen Aufgabenstellungen herauszufordern. Autoritativ verhalten sich Eltern und Lehrer auch dann, wenn sie die Rolle des Erziehers annehmen, Ziele und Werte vorleben.
Natürlich kommt die Aussprache mit den Gästen der Initiative 55 plus-minus über die fundiert vorgestellte pädagogische Entwicklung der vergangenen 100 Jahre nicht an der aktuellen Debatte zur Entwicklung der Schulen vorbei. Die Gesprächsteilnehmer stellten fest, dass die Schulen, auch die sich neu etablierenden, im Blick auf ihr Angebot an unterschiedlichen Schulabschlüssen betrachtet werden. Dahinter steht wohl das Wissen darum, dass Kinder unterschiedlich begabt sind.
Die Fragen, welche Schule, welche unterrichtlichen Arbeitsformen, aber auch welches erzieherische Verhalten der Eltern jedes einzelne Kind bei seiner optimalen Förderung unterstützen, sind zurzeit nicht im Zentrum der lokalen öffentlichen Debatte auszumachen. Dabei wissen gerade die Ältergewordenen, dass Motivation aus dem Erleben erfolgreicher Arbeit kommt, dass Anerkennung für erreichte Ziele neue Kräfte mobilisiert, dass Zuwendung bei Schwierigkeiten Mut macht durchzuhalten. Die Lust am Weiterlernen, aber auch gute zwischenmenschliche Kontakte werden dadurch wesentlich gefördert. Der begabte wie auch der weniger begabte Jugendliche braucht ein Umfeld, in dem er seine persönlichen Leistungsgrenzen erreichen und ausweiten kann. Das alles ist wichtig für gelingendes Leben im Erwachsenenalter und für verantwortungsbewusste, mitdenkende Mitglieder der Gesellschaft.
Die Schule- und Erziehungskonzepte haben sich weiterentwickelt!
Die Besucher machten bei ihrem Erzählen über die eigene Schulzeit vor rund 60 Jahren deutlich, dass mancher ihrer Lehrer noch von dem Selbstverständnis dieser Zeiten geprägt war. Doch die pädagogische Entwicklung und Einsicht ist vorangeschritten. Das konnten Ellen Stein und Claire Metzmacher, Bildungsreferentin der evangelischen Kirche Rhein-Lahn im zweiten Teil der Veranstaltung deutlich machen. Die Arbeitschulbewegung der 20-iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts entwickelte das handlungsorientierte, entdeckende, forschende Lernen an Sachverhalten, ohne Drill und ohne permanente Lenkung durch die Lehrkraft. Die Auswüchse der antiautoritären Erziehung, die vor rund vierzig Jahren propagiert und in mancher Familie und in Schulen praktiziert wurde, wollte ohne vorgegebene Reglungen und "Bevormundung" durch Autoritätspersonen auskommen. Dieser Erziehungsstil wird heute aus gutem Grund kritisiert und ist als extreme Gegenbewegung zur Schul- und Erziehungssituation vor 100 Jahren zu bewerten.
Mut machen zum autoritativen Erziehungsstil!
Gutes erzieherisches Handeln der Eltern und Lehrer ist aus heutiger Sicht "autoritativ", so Claire Metzmacher. Es geht darum, Kinder zu fördern und zu fordern! Fördern meint, die individuellen Fähigkeiten jedes Kindes - Interessen und Talente - und die Bedürfnisse - Geborgenheit, Lob und Ermutigung - altersgemäß zu unterstützen. Fordern meint, die Leistungsbereitschaft jedes Kindes an altersgemäßen Aufgabenstellungen herauszufordern. Autoritativ verhalten sich Eltern und Lehrer auch dann, wenn sie die Rolle des Erziehers annehmen, Ziele und Werte vorleben.
Natürlich kommt die Aussprache mit den Gästen der Initiative 55 plus-minus über die fundiert vorgestellte pädagogische Entwicklung der vergangenen 100 Jahre nicht an der aktuellen Debatte zur Entwicklung der Schulen vorbei. Die Gesprächsteilnehmer stellten fest, dass die Schulen, auch die sich neu etablierenden, im Blick auf ihr Angebot an unterschiedlichen Schulabschlüssen betrachtet werden. Dahinter steht wohl das Wissen darum, dass Kinder unterschiedlich begabt sind.
Die Fragen, welche Schule, welche unterrichtlichen Arbeitsformen, aber auch welches erzieherische Verhalten der Eltern jedes einzelne Kind bei seiner optimalen Förderung unterstützen, sind zurzeit nicht im Zentrum der lokalen öffentlichen Debatte auszumachen. Dabei wissen gerade die Ältergewordenen, dass Motivation aus dem Erleben erfolgreicher Arbeit kommt, dass Anerkennung für erreichte Ziele neue Kräfte mobilisiert, dass Zuwendung bei Schwierigkeiten Mut macht durchzuhalten. Die Lust am Weiterlernen, aber auch gute zwischenmenschliche Kontakte werden dadurch wesentlich gefördert. Der begabte wie auch der weniger begabte Jugendliche braucht ein Umfeld, in dem er seine persönlichen Leistungsgrenzen erreichen und ausweiten kann. Das alles ist wichtig für gelingendes Leben im Erwachsenenalter und für verantwortungsbewusste, mitdenkende Mitglieder der Gesellschaft.