Kloster Eberbach im Rheingau – das Kulturdenkmal von europäischem Rang

Exkursion der Initiative 55 plus-minus
durch die Historie und die Baugeschichte des Zisterzienserklosters

Das Kloster Eberbach ist 1136 n.Chr. in einen eher abgelegenen Seitental des Rheins gegründet worden. Zisterzienserklöster von denen es in Europa rund 160  gibt, wurden stets abseits der Verkehrswege gebaut und das nach einem immer gleichen Bauplan. Die Mauer um die Klöster unterstrich von Anfang an die  Weltabgeschiedenheit der Mönche, die sich dem Lebensrhythmus von „Beten und Arbeiten“ verschrieben hatten. Die architektonischen Besonderheiten des Klosters Eberbach, dessen Gebäude im Stil der Romanik und der Gotik errichtet wurden, fallen dem geübten Blick sofort auf. Sogar der zehnjährige Baustopp, der dem Kloster 1350 wiederfuhr, ist in der Wahl der Baumaterialien erkennbar, wenn der Besucher von einem ausgewiesenen Fachmann auf die entsprechenden Merkmale aufmerksam gemacht wird.

Die 44 TeilnehmerInnen der 3. Exkursion der Initiative 55 plus-minus, die unter dem Thema „Kloster Eberbach – Geschichtliches, Architektur, Kultur des Zisterzienserklosters“ stand, genossen die bemerkenswerte Detailkenntnis und den strukturierten Überblick von Prof. Siegbert Sattler, der 25 Jahre als Baudirektor des Hessischen Staatsbauamtes die Umbau- und Sanierungsarbeiten am Kloster leitete. In 2 ½ Stunden führte er die Gruppe durch die Räume bzw. zu den architektonischen Besonderheiten der Anlage und blätterte an markanten Stellen die Geschichte dieses Kulturdenkmals von europäischem Rang auf.

Über die Jahrhunderte wuchs das Kloster zu einem bedeutenden religiösen, kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum. Zurückgezogenheit, Beten und Arbeiten bestimmten zwar den Alltag der Mönche, dennoch war die Außenwirkung des Klosters beachtlich. Die Arbeit auf dem Feld war wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung der Region. Die Pflege Schwerstkranker war der christliche Dienst an den Menschen in Not und Verzweiflung.
Das Abschreiben wichtiger Bücher und das bunte Illustrieren von Texten diente dem Sichern und Verbreiten des Wissens vergangener Zeiten. Die Klosterbibliothek umfasst im 16. Jahrhundert mit seinen rund 1300 Büchern einen unermesslichen Schatz, der leider in den Wirren des 30jährigen Krieges, also im 16.Jahrhundert fast vollständig verloren ging. Einige wenige dieser kostbaren Bücher befinden sich heute weit über Europa verstreut in Bibliotheken. Nur 80 Bücher mit dem Wissen aus alter Zeit sind erhalten geblieben.
Wer sich bisher wunderte, im Rheinland schöne Gasthäuser oder historische Gebäude besucht zu haben, die Namen wie „Eberbacherhof“ tragen, dem ist jetzt klar, dass diese Häuser in früheren Jahrhunderten Handelshäuser und wirtschaftliche Außenposten des Klosters waren.

Im Rahmen der Säkularisierung, der Verweltlichung im Jahre 1803, haben die Zisterzienser ihr Kloster an weltliche Fürsten verloren. Das brachte einen für uns heute unfassbaren Niedergang des bisherigen Kristallisationspunktes der Entwicklung unseres Heimatraumes mit sich. So wurde die Klosterkirche zeitweise als Schafstall oder auch als Irrenhaus, Aufenthaltsort für schwer psychisch kranke Menschen zweckentfremdet. Die Grabplatten vergangener Kirchenführer und Adelsgeschlechter wurden im Straßenbau eingesetzt. Die staatliche Bauverwaltung des Herzogtums Nassau und heute des Landes Hessen sind seit über 100 Jahren dabei, das Kloster Eberbach zu erhalten und zu restaurieren sowie einer angemessenen Nutzung zuzuführen..

Prof. S. Sattler hat durch seine umfangreichen Informationen mit fachlichem Tiefgang und durch seine sprachlich spannende Präsentation der Geschehnisse vergangener Zeiten die Zuhörer in seinen Bann gezogen und machte die Exkursion der Initiative 55 plus-minus zu einem einzigartigen Erlebnis.

Natürlich gehört zu einem Klosterbesuch ein Imbiss in der Klosterschänke. In Eberbach lässt man sich dazu gerne ein Glas des bekannten Steinberger Weins servieren, der um die Klosteranlage herum angebaut wird.