Initiative 55 plus-minus besucht den

Forschungs- und Studienstandort Geisenheim

Nach umsichtiger Vorbereitung besuchte am 11. Oktober 2007 die Initiative 55 plus-minus unter der Leitung von Prof. S. Sattler, St. Goarshausen, die Forschungsanstalt Geisenheim. Die Tatsache, dass Herr Sattler in seinem weit gefächerten beruflichen Wirken auch in der Fachhochschule Geisenheim seit vielen Jahren tätig ist, hat den Besuchern Türen geöffnet und Eindrücke ermöglicht, die sonst im Verborgenen bleiben.

Die Forschungsanstalt wurde 1872 eine Schule mit der Bezeichnung "Königliche Lehranstalt für Obst- und Weinbau" ihrer Bestimmung übergeben. Heute sind fünf Fachgebiete für den Weinbau und die Weinbereitung einschließlich der Getränketechnologie tätig. Vier Fachgebiete bearbeiten gartenbauliche Disziplinen einschließlich Obstbau und Landschaftsbau. Weitere fünf Fachgebiete arbeiten sowohl auf Gebieten des Weinbaues als auch des Gartenbaues. Die Fachhochschulstudiengänge des Fachbereiches Weinbau und Getränketechnologie vermitteln im ganzen deutschen Sprachraum die höchste Ausbildungsstufe.

Prof. Dr. Rühl führte uns zunächst durch sein Fachgebiet Rebenzüchtung und Rebenveredelung. Das Fachgebiet bearbeitet die Klonenzüchtung und ist in Deutschland der wichtigste Erhaltungszüchter traditioneller Sorten, z. B. Weißer Riesling, Blauer Spätburgunder und Müller-Thurgau, der übrigens 1882 in Geisenheim gezüchtet wurde. Geisenheimer Unterlagensorten .und -klone spielen eine große Rolle in allen Weinbaugebieten. Pilz- und kälteresistente, interspezifische neue Rebsorten werden gezüchtet und bis zum Weinausbau geprüft. Neben der Vermehrungs- und Veredlungstechnik  der Weinreben erfuhren wir dann im dreigeschossigem Weinkeller viel vom Wein- und Sektausbau. Zwei ausgebaute Weine von jährlich rund 200-300 probierten wir. Hätte der Organisator unserer Reise, Prof. Siegbert Sattler, uns nicht zum Mittagessen in die Mensa geführt, wären viele gern länger geblieben.

Nach dem Essen erfolgte ein schneller Rundgang durch den Park von Monrepos. Pünktlich trafen wir dann im Fachgebiet Gemüsebau ein und erfuhren viel über die Forschung  umweltschonendem, effizientem Anbau von Spargel, Paprika und Tomaten, sowie dem Wasserhaushalt weiterer Gemüsearten unter Berücksichtigung der Inhaltsstoffe. Neue Basisdaten unter Berücksichtigung der Wechselwirkungen zwischen Pflanze und Umwelt gewährleisten eine Produktion von qualitativ hochwertigem  Gemüse. Die Untersuchungen zum Wasserhaushalt konzentrieren sich auf die Entwicklung von Methoden zur frühzeitigen Bestimmung von Wasserstress und Empfehlungen zur Bewässerungssteuerung.

Dann wartete Prof. Dr. Hentriks auf uns, um sein Fachgebiet Zierpflanzenbau vorzustellen. Seine Forschungstätigkeiten orientieren sich gleichermaßen an Bedürfnissen von Produktion, Handel und Konsumenten. Im Vordergrund stehen derzeit die Entwicklung von Methoden zur Messung der inneren Qualität von Zierpflanzen und Gehölzen. Damit sollen Voraussetzungen für Haltbarkeitsprognosen geschaffen werden. Weitere Schwerpunkte sind die Sauerstoffversorgung von Substraten in der Innenraumbegrünung, der Ersatz von Torf durch nachwachsende Rohstoffe und Strategien zur Reduzierung des Hemmstoff- und Fungizideinsatzes. Abgerundet wurde alles durch einen kurzen Einblick in die Pflanzen-Genforschung. Die ethischen Fragen zum Import der Pflanzen, des Verhaltens von Handel und Verbraucher, der Genforschung konnten leider nur angeschnitten werden.

Zum Abschluss unserer Reise besuchten wir den Geisenheimer Dom. Oberstudienrat Dr. Laufs informierte uns sachkundig über die Geschichte und die baulichen Besonderheiten des bekannten Gotteshauses.

Nach einer Stärkung bei Kaffee und Eis in der Nähe der 700-jährigen Linde ging es von Geisenheim zurück in den Rhein-Lahn-Kreis. Ein erlebnisreicher Tag mit Informationen, die sonst nur Fachleute erhalten, ging zu Ende.