Die Pfalz im Rhein, die bekannte Zollburg

Bericht zur Wanderung der Initiative 55 plus-minus im Rahmen ihrer „Kauber Trilogie“

Die Projektgruppen „Geschichte“ und „Exkursionen“ der Initiative 55 plus/minus trafen sich am Freitag, 10. August um 14.30 Uhr am Lotsenhaus in Kaub, um den 2. Teil der  „Kauber Trilogie“ zu erleben. Er stand unter dem Motto „Wie es war, wie es geworden ist – Die Pfalz bei Kaub“.

Vor 450 Millionen Jahren war das Mittelrheingebiet, so Dr. Ernst Brod, Patersberg, ein Flachmeer. Zeitzeugen wie Fossilien, Sand und Gesteine belegen dies. Durch das Aufeinandertreffen zweier Kontinentalplatten vor 325 Millionen Jahren kam es zu Überschiebungen. Es entstanden Spalten auf der Strecke zwischen Bingen und Koblenz. Die Faltung des Rheingrabens begann. Noch vor 15 bis 20 Millionen Jahren floss der Rhein in einem wenig eingeengten Taltrog.

Die Eiszeit ließ das Schiefergebirge rechts und links des Rheins aufsteigen und der Rhein mit seinen Nebenflüssen und Bächen musste sich stetig tiefer eingraben. Da sich die Rheinische Gebirgsmasse auch heute noch hebt, ist der Rhein gezwungen, sich durch den Schotter bis zur Felssohle einzuschneiden.

Dies ist insbesondere an den Sieben Jungfrauen unterhalb von Oberwesel und bei der Insel Falkenau (heutige Pfalzinsel) bei Kaub der Fall, wo die jungen Hebungen mit dem sinkenden Wasserspiegel für die Schifffahrt und die Wasserwirtschaft ein noch nicht gelöstes Problem darstellen.

Zum Thema „Schifffahrt auf dem Rhein“ gehört auch der „Rheinzoll“

Die Römer entdeckten die Strömung des Flusses für ihren Handel mit Kähnen und Flössen. Sie gründeten Städte entlang des Stromes und kultivierten das verbuschte und versumpfte Ufer. Danach errichteten in der Zeit der Franken unter Karl dem Großen die Leibeigenen der adligen Herrscher als edle Ritter, aber auch als Raubritter, insbesondere im Pfalzgau und dem Einrichgau 21 Burgen entlang des Flusses. Wer die Burgen passierte, musste einen Zoll entrichten. Allein zwischen Mainz und Koblenz gab es nachweislich 36 Zollstationen. Darunter auch die „Pfalz bei Kaub“.

Mit diesem Stichwort übernahm Manfred Lipphardt, Kaub, die weitere Führung.

Vom Kauber Ufer aus sah man schon gespannt auf das mächtige, steinerne „Schiff“ mitten im Rheinstrom. Ein Motorboot brachte die Gruppe zur Pfalzinsel. Über eine Treppe, unter einem bedrohlichen Fallgitter hindurch und ein Eisen beschlagenes Tor zurücklassend, gelangte man in den Hof der Zollburg mit dem mächtigen Bergfried im Zentrum, den König Ludwig der Bayer bereits vor 1324 als Zollturm gebaut hatte und der den Vorgängerbau von 1257 der Falkensteiner ablöste. In den Jahren zwischen 1338 bis 1342 folgte der Bau der 12 Meter hohen Ringmauer und danach der weitere Ausbau des Pfalzgrafensteins.

Blücher benutze die befestigte Insel bei seinem Rheinübergang in der Neujahrsnacht 1813/14 als Brückenkopf.

M. Lipphardt führte die Besuchergruppe der Initiative 55 plus-minus über Wehrgänge, Vorwerke und Hallen bis zum alten Backofen, Kanonen, dem Burgverlies und dem Freiluftabort, der bei dem hohen Pegelstand von 3,48 m sogar eine „Wasserspülung“ hatte. Wer die steile Treppe des Bergfrieds erklomm, der konnte den herrlichen Ausblick ins Rheintal zu genießen. Die vordere Schießscharte über dem „Eisbrecher“ gab den Blick auf den goldenen Löwen mit Schild und Schwert frei.

Nach einem „hol üwwer“ hatten die Teilnehmer bald wieder das Kauber Ufer erreicht. Der anschließende Weg führte auf den Zollplatz vor das alte Amtshaus. Der Gang über die historische „Kauber Mauer“ brachte die Gruppe schließlich zum Schoppen Wein und zur Vesper in das Gasthaus „Deutsches Haus“, zum gemütlichen Ausklang eines informativen Nachmittags im geschichtsträchtigen Rheintal.