Einblicke in ein mittelalterliches Kleinod: Dausenau an der Lahn

Moderne Methoden machten die Exkursion zu einem eindrücklichen Erlebnis

Dausenau an der Lahn, dessen markante Türme bei der Durchfahrt dem eiligen Autofahrer auffallen, hat wahrlich einen ausgedehnten Stopp verdient, viel länger als den, der die Rotphase der Ampel erzwingt. Dies machte Gerhard Schäfer den 18 Besuchern in dem 1400-Einwohner zählenden Ort anlässlich der 5. Exkursion der Initiative 55 plus-minus deutlich.

Dausenau, 1244 n.Chr. erstmalig im Nekrolog (Totenbuch) des Klosters Arnstein erwähnt, wurde 1348 die Stadtrechte, die Marktrechte und die niedere Gerichtsbarkeit zuerkannt. In den nachfolgenden Jahren errichtete man dann die Stadtmauer, die noch heute weitgehend erhalten und durch kontinuierliche Restaurierungsarbeiten in einem guten Zustand ist.

Der Autofahrer erahnt die historischen Bauwerke, wenn er den Torturm durchfährt und an dem imposanten, schiefen Turm vorüberkommt, der sich im Laufe der Jahrzehnte wegen ungleicher Festigkeit des Baugrundes offensichtlich um mehr als zwei Meter zur Seite geneigt hat.

Gerhard Schäfer wusste anschaulich von den Entwicklungen des Ortes zu berichten, in dem die Einwohner über Jahrhunderte dem Weinbau, dann dem Obstbau, dem Herstellen von Holzkohle und natürlich der Landwirtschaft auf den Lahnhöhen nachgingen. Der den Ort durchfließende Unterbach trieb zeitweise bis zu acht Mühlen an. All dies ist jedoch längst Geschichte, wie auch der Gütertransport auf dem kleinen Flüsschen. Aus der historischen Bausubstanz wird aktuell noch das herrlich restaurierte mittelalterliche Rathaus aus dem 15. Jahrhundert mit seiner gediegenen, modernen Einrichtung genutzt. Es dient heute nicht nur als Ratssaal, sondern kann auch für private Feierlichkeiten gemietet werden.

Die schon von weitem beeindruckende Kirche St. Kastor stammt in ihren Anfängen aus dem Jahre 1179 und ist eine dreischiffige Staffel-Emporen-Hallenkriche im gotischen Stil. Die alten Wandbilder zur Passion Jesu im Chor, die nach 1538, als die Gemeinde zum lutherischen Glauben wechselte, in der Kirche verblieben sind, und der herrliche Flügelaltar aus der Zeit um 1500 vermitteln ein Gefühl von Ewigkeit und Frieden. Die acht modernen Fenster aus den Jahren 1955 und 1972 erzählen dem Betrachter in warmen Farben aus der biblischen Überlieferung.

Gerhard Schäfer bot den 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Exkursion nicht nur einen lebendigen Vortrag mit vielen historischen Fakten und plastischen Episoden. Als ausgebildeter Kirchenführer machte er seine Zuhörer methodisch geschickt sehr schnell zu Endeckern liturgischer, künstlerischer und baulicher Details in dem Gotteshaus. Die herzliche Atmosphäre bei der Führung durch die Kirche und ihre Geschichte förderte den Gedankenaustausch auch unter den Besuchern.

Die gute Ausgestaltung einer kurzweiligen und informativen Führungen durch die Kirche ist G. Schäfer wahrlich gelungen, wie der Schlussapplaus deutlich machte. Wer ebenfalls lernen möchte, wie man Interessierte durch die Heimatkirche führt, kann sich die entsprechenden Ideen und Methoden gemeinsam mit Gerhard Schäfer erarbeiten. Das Projekt 26 der Initiative 55 plus-minus ermutigt: Werden Sie Kirchenführer!