3. Ich suche meine Mitte - wer hilft mir suchen?

Das Alltagsleben ist jedoch höchst selten von Grundsatzfragen und allgemeingültigen Prinzipien bestimmt. Da werden eher Praxistipps und Orientierungshilfen bei der Suche nach dem für mich gangbaren Weg gebraucht. Jede Entscheidung will gut vorbereitet werden. Sie braucht das Gespräch und die Auseinandersetzung mit Menschen, die faire Kritik und partnerschaftliche Kompetenz verbinden können. Solche Kontakte ermutigen den persönlichen Entscheidungsprozess ohne Bevormundung, stärken die Eigenverantwortlichkeit.

Dass man Menschen für solche persönlichen Entwicklungsschübe im Bereich seiner Kirche findet, wird mancher Kirchensteuerzahler eher nicht erwarten. Dass das Ermöglichen und Flankieren solcher Prozesse Bildungsarbeit ist, die nur in Kleingruppen möglich ist – Bildung ist ein individuelles Geschehen  -, muss die kirchliche Bildungsarbeit erkennen und bewusst zu ihrer Aufgabe machen.

Derzeit beklagen wir, dass viele, zu viele Gemeindeglieder vereinzelt und alleine nach Mitte und Halt in ihrem Leben und nach gelingender Anbindung suchen und doch nicht zur Gemeinde vordringen In Fällen wird die Kirchengemeinde vor Ort zu klein und damit zu eng sein, um so ganz unterschiedlichen suchenden die Tür zu öffnen, Enttäuschungen zu ersparen. In den Städten und auf Kirchentagen kann man schon eher einen Resonanzboden für das eigene Anliegen vermuten. Aber auf so seltene Kontakte dürfen sich die Menschen nicht vertrösten.

Das Dekanatsstrukturgesetzt hat die mittlere Ebene, die Dekanate gestärkt und mit einem neuen Handlungshorizont ausgestattet. Wir sollten die Dekanate oder wenigstens mehrere Gemeinden einer Region als Plattform nutzen, um übergemeindlich die Arbeitsfelder anzubieten und den Anliegen Raum zu geben, die Gemeindeglieder zu ihrer Lebensbewältigung und –gestaltung nachfragen, die bisher in der Ortsgemeinde nicht angeboten werden. Das wäre dann u.a. Bildungsarbeit im Kleinen.

Den Dekanaten, also der mittleren Ebene, stehen für wichtige solche Aufgaben übergemeindliche Arbeitsfelder fünf Profilstellen (2 1/2 Planstellen) zur Verfügung, deren Zielrichtung und Aufgabenbeschreibung in der Region und für die Region festgelegt wird. Die Stellen sollen zwar mit Pfarrern besetzt werden, zwingend ist das jedoch nicht. Die Profilstellen entlasten nicht nur den Ortspfarrer, sie bieten die Chance der Akzentsetzung.