7. Frage: Sehen Sie einen bildungstheoretischen Ansatz in der Arbeit der Initiative 55 plus-minus?

Biblisch gesehen sind wir alle, jeder Einzelne, einzigartige Geschöpfe Gottes, die ein Recht auf ihre Eigenständigkeit haben. Das ist praktischer Ausdruck der Liebe Gottes, die jedem Einzelnen gilt. Dafür muss die Kirche den Freiraum schaffen.
Da die Menschen sich als Mitschöpfer verstehen, (in der Bibel lesen wir, dass uns Welt anvertraut ist zum Bebauen und zum Bewahren), muss das Bildungs- und Weiterentwicklungsinteresse jedes Einzelnen Raum finden. Gerade wir Protestanten wissen, dass gelingendes gemeindliches Leben die Summe der Aktivitäten vieler Einzelner ist, ganz im Sinne eines allgemeinen Priestertums der Gläubigen.

Die Kirche – in der Gemeinde, in der Region, auf der Mittleren Ebene – muss der Vielfalt der Begabungen und Talente Raum und Mitgestaltungsmöglichkeit geben (Paulus, Korintherbrief).

Da das Lernen ein individueller Prozess ist, muss man auch methodisch in den Projekten dem Individuum Entfaltungsmöglichkeiten schaffen, die nur durch die Rechte und Notwendigkeiten des Nächsten begrenzt werden. Die Kirche muss vor Ort den Spagat zwischen individueller Freiheit seiner Mitglieder und dem Anspruch auf soziales und kirchengemeindliches Zusammenleben, Zusammenwirken im Konkreten bewältigen.

Der mündige und selbstbestimmte Bürger hat ein Recht auf Entfaltung seiner Fähigkeiten, Talente und Interessen. Dieses wird er aber nur ausleben können, wenn er leistbare Betätigungsfelder sieht oder man ihm Wege dort hin zeigt. Das Recht auf eigene Zugänge zu seinen Bildungszielen kann nur erlebt werden, wenn die methodischen Wege bekannt sind oder aufgetan werden.
Das Ziel muss ein Mensch sein, der seiner selbst gewiss und in der Freude, neue Ziele angehen zu wollen, lebt. Das bedeutet, dass die Stärkung der Selbstwirksamkeitserwartung eines jeden Menschen (Albert Bandura) einerseits eine aktuelle pädagogische Aufgabe ist. Andererseits beschreibt sie nur das, was dem zukunftsoffenen Bild der christlichen Gemeinde selbstverständlich sein sollte.



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